62 Grad auf dem Pflaster: Wie versiegelte Plätze zur Hitzefalle werden – und was hilft
Aktivisten zogen mit einer Wärmebildkamera durch Berlin und hielten auf das Pflaster. Auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof zeigte die Kamera 62,6 Grad. Unter den Linden 56,7 Grad. Auf dem gerade neu gestalteten Gendarmenmarkt, fast ohne Pflanze, bis zu 48,8 Grad. Die Luft maß an diesem Tag knapp 40 Grad – die Steine waren weit heißer.
Berlin ist überall. Jede gepflasterte Innenstadt erlebt im Sommer dasselbe. Der Stein speichert die Sonne und gibt sie abends wieder ab. Wo Grün fehlt, fehlt die Kühlung. Dieser Ratgeber erklärt, warum das so ist – und wie Kommunen gegensteuern, auch dort, wo kein Baum hinpasst. Dieser Ratgeber zeigt, warum das so ist – und wie Stadtbegrünung hilft, auch dort, wo kein Baum hinpasst.
Warum Stein zur Wärmeinsel wird
Auf einer versiegelten Fläche kann kein Wasser verdunsten. Genau diese Verdunstung kühlt eine begrünte Fläche um mehrere Grad. Asphalt und Pflaster dagegen schlucken die Strahlung, heizen sich auf und strahlen die Wärme bis in die Nacht zurück. Fachleute nennen das den städtischen Wärmeinsel-Effekt.
Für die Menschen auf dem Platz heißt das: kein Schatten, keine Abkühlung. Die Luft steht. Ältere und Kranke trifft das zuerst. Und der Einzelhandel spürt es auch, weil bei 50 Grad Bodentemperatur niemand draußen verweilt.
Warum Bäume die Innenstadt oft nicht retten
Der naheliegende Gedanke heißt: mehr Bäume. Richtig – nur scheitert er an vielen Plätzen an der Realität. Ein Baum braucht Wurzelraum, und unter dem Pflaster liegen Leitungen oder alte Fundamente. Aufgraben ist teuer und oft nicht erlaubt.
Dazu kommt der Denkmalschutz. Viele historische Marktplätze stehen als Ganzes unter Schutz, das Pflaster eingeschlossen. Und der Platz wird gebraucht: für Wochenmärkte, Feste und Lieferverkehr. Ein fest gepflanztes Beet steht da schnell im Weg. So bleibt der Platz grau, obwohl alle ihn grüner haben wollen.
Mobile Stadtbegrünung: Grüne Lösungen auf dem Pflaster.
Hier setzt mobile Begrünung an. Sie steht auf dem Boden, statt ihn aufzureißen. Kein Aushub, kein Eingriff, keine Genehmigung für den Untergrund. Wird der Platz für den Markt frei gebraucht, fährt der Bauhof das Grün zur Seite.
Pflanzenpyramiden sind dafür gebaut. Sie bringen viel Grün auf wenig Fläche – bis zu 170 Pflanzen auf einem einzigen Stellplatz. Das Gestell aus verzinktem Stahl steht frei und hinterlässt keine Spur. Wo eine Pyramide vor einer niedrigen Fassade zu hoch wirkt, übernehmen Pflanzenwände dieselbe Aufgabe – nur 40 Zentimeter tief und ebenso transportabel.
Was Pflanzen gegen die Hitze ausrichten
Eine bepflanzte Pyramide arbeitet sofort gegen den heißen Stein. Ihre Blätter verdunsten Wasser und kühlen die Luft ringsum. Sie wirft Schatten auf das Pflaster am Sockel, das sich dort nicht mehr so stark auflädt.
Dazu kommt die Wirkung, die man sieht: ein Farbtupfer vor grauer Kulisse, an dem Menschen stehenbleiben. Mit Stauden bepflanzt, wird die Pyramide zur Nahrungsquelle für Bienen. So entsteht aus einem Hitze-Problem ein Stück Aufenthaltsqualität – an der Stelle, wo vorher nur Stein war.
Bürgermeister Thomas Berling, Nordhorn: „Auch eine optisch ansprechende Bepflanzung der Innenstadt ist ein Baustein, um Menschen in die Innenstadt zu locken. Die Pflanzenpyramiden sind insbesondere in der Blühzeit ein absoluter Hingucker.“
Hitzevorsorge wird zur Pflichtaufgabe
Hitze ist kein Sommer-Ärgernis mehr, sondern ein Thema für die Verwaltung. Bund und Länder nehmen Kommunen zunehmend in die Pflicht, ihre Hitzeinseln zu kühlen. Wer heute einen Platz plant oder umbaut, muss die Aufheizung mitdenken.
Mobile Begrünung passt in diese Pflicht, weil sie schnell wirkt und keinen Bauantrag für den Boden braucht. Ein Platz bekommt sein Grün in einer Saison, nicht in einem Jahrzehnt. Und er bleibt flexibel: Im Winter lagert der Bauhof die Pyramiden ein, im Frühjahr stehen sie fertig begrünt wieder am Platz.
Worauf Kommunen achten sollten
Standort vor Stein. Setzen Sie das Grün dort, wo die Kamera am heißesten misst und die meisten Menschen vorbeikommen. Eine Pyramide an der richtigen Stelle wirkt stärker als drei am Rand.
Standfestigkeit. Ein offener Platz ist windig. Gut bepflanzt und befüllt bringen die Pyramiden genug Eigengewicht mit, um sicher zu stehen.
Pflege. Begrünung lebt. Sie will gegossen und gedüngt werden. Viele Städte lassen die Pyramide im Gewächshaus vorbepflanzen und stellen sie fertig in Blüte auf.
Förderung. Mobile Begrünung erfassen viele Programme nicht automatisch. Ob Ihr Vorhaben förderfähig ist, klärt die Bewilligungsstelle im Einzelfall. Mehr dazu im Ratgeber Fördermittel.
Grün für Ihren heißen Platz?
Was gegen die Berliner Hitze hilft, hilft auf jedem gepflasterten Platz: Grün, das auf dem Boden steht, statt ihn aufzureißen. Wie das mit der Hitze vor Ort zusammenhängt, zeigt auch unser Beispiel aus Butzbach. Wir beraten Kommunen, wie sich kühlendes Grün mit mobilen Pflanzenpyramiden umsetzen lässt.
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